Kaufhäuser im Wandel. 20.08.2026 · 4 Min. Lesezeit

Was passiert mit Gebäuden, wenn ihre ursprüngliche Aufgabe verschwindet?

Kaufhäuser haben unsere Innenstädte über Jahrzehnte geprägt. Sie waren Orte des Einkaufens, Treffpunkte und weithin sichtbare Zeichen einer neuen Handelswelt. Viele dieser Häuser stehen noch heute mitten in unseren Städten.

Doch die Welt, für die sie gebaut wurden, hat sich verändert.

Und gerade darin zeigt sich, wie vorausschauend diese Häuser bereits vor Jahrzehnten geplant wurden.

Kaufhäuser haben unsere Innenstädte über Jahrzehnte geprägt. Sie waren Orte des Einkaufens, Treffpunkte und weithin sichtbare Zeichen einer neuen Handelswelt. Viele dieser Häuser stehen noch heute mitten in unseren Städten.

Doch die Welt, für die sie gebaut wurden, hat sich verändert.

Und gerade darin zeigt sich, wie vorausschauend diese Häuser bereits vor Jahrzehnten geplant wurden.

Wie plant man für eine Zukunft, die man noch gar nicht kennt?

Die Geschichte von Nattler Architekten und C&A beginnt 1950. Rund 170 Kaufhäuser in 150 Städten wurden seitdem von Nattler Architekten geplant.

Hinter diesen Zahlen steckt eine besondere Haltung.

Schon früh suchte C&A nach neuen Ideen für den Handel und die Architektur seiner Häuser. Zu einer Zeit, als eine Reise über den Atlantik noch mit dem Schiff unternommen wurde, machten sich die Verantwortlichen auf den Weg, um neue Entwicklungen kennenzulernen. Sie wollten sehen, was anderswo bereits möglich war, daraus lernen und eigene Lösungen entwickeln.

Dieser Innovationsgedanke prägte auch die Planung der Gebäude.

Nicht für einen Zustand, sondern für Veränderung geplant

Von Anfang an wurde die Möglichkeit mitgedacht, die Häuser bei Bedarf zu erweitern. Grundrisse und Strukturen wurden so geplant, dass sie sich an neue Anforderungen anpassen lassen.

Niemand konnte wissen, wie sich der Handel Jahrzehnte später entwickeln würde. Niemand wusste, wie wir einmal einkaufen, welche Flächen benötigt oder welche neuen Nutzungen in diese Gebäude einziehen würden.

Was man aber wusste: Anforderungen bleiben nicht für immer dieselben. Deshalb wurde bei der Planung bewusst Spielraum für Veränderungen vorgesehen, damals vor allem durch die Möglichkeit, die Häuser zu erweitern.

Wie wertvoll dieser Gedanke war, zeigt sich viele Jahrzehnte später.

Die Anforderungen verändern sich. Die Flexibilität bleibt.

An verschiedenen Standorten werden Verkaufsflächen verkleinert, neu organisiert oder anders genutzt. Dieser Prozess wird als Resizing bezeichnet und bedeutet weit mehr als nur weniger Verkaufsfläche.

Es bedeutet, ein bestehendes Gebäude neu zu betrachten.

Welche Bereiche werden weiterhin für den Handel benötigt? Welche lassen sich anders organisieren? Wo entstehen neue Nutzungen? Und wie lässt sich das Gebäude als Ganzes weiterentwickeln?

Aus Verkaufsflächen werden plötzlich Räume mit völlig neuen Aufgaben. Wo über Jahrzehnte Mode verkauft wurde, entstehen beispielsweise Angebote für Gesundheit, Nahversorgung, Büro oder Verwaltung. An anderen Standorten bleibt der Handel, braucht aber weniger Fläche und schafft damit Platz für Neues.

Was ein Gebäude einmal war, muss also nicht bestimmen, was es in Zukunft sein wird.

Nicht jedes Haus braucht dieselbe Antwort.

Aber viele dieser Häuser bringen etwas Entscheidendes bereits mit: die Fähigkeit, sich zu verändern.

Wenn eine Entscheidung Jahrzehnte später ihren Wert zeigt

Genau das macht diese Geschichte so bemerkenswert.

Als die C&A-Kaufhäuser geplant wurden, ging es nicht darum, vorherzusagen, wie der Handel viele Jahrzehnte später aussehen würde. Die Möglichkeit zur Veränderung war bereits Teil der Architektur.

Was damals vor allem Erweiterungen ermöglichen sollte, eröffnet dadurch auch Jahrzehnte später Spielraum für neue Anforderungen.

Aus Flächen, die nicht mehr gebraucht werden, entstehen Räume, die gebraucht werden. Vorhandene Konstruktionen werden weitergenutzt. Gebäude übernehmen neue Aufgaben und behalten ihren Platz in der Stadt.

Sie müssen nicht verschwinden, nur weil sich das Leben in ihnen verändert.

 

Architektur, deren Wert sich weiterentwickelt

Wir sprechen viel über Transformation, flexible Nutzung und das Weiterbauen im Bestand. Die Geschichte der C&A-Kaufhäuser zeigt, wie lange der Gedanke dahinter bereits Teil guter Planung sein kann.

Ein Gebäude wird für eine bestimmte Aufgabe geplant. Aber seine Geschichte muss mit dieser Aufgabe nicht enden.

Gerade die C&A-Kaufhäuser zeigen, welchen Wert es hat, Veränderung nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn sie notwendig wird. Die Möglichkeit dazu steckt seit Jahrzehnten in ihrer Architektur.

Und so werden Gebäude, die unsere Innenstädte über Generationen geprägt haben, nicht einfach zu Zeugen einer vergangenen Handelswelt. Sie entwickeln sich mit ihren Städten weiter.

Das ist vorausschauende Architektur: Gebäude so zu planen, dass sie sich auch Jahrzehnte später noch verändern und weiterentwickeln lassen.

Fotocredits
C&A Hamburg, historische Aufnahme: Fundus Nattler Architekten
C&A Hamburg, Architekturmodell: HGEsch
C&A Celle, historische Aufnahmen: Fundus Nattler Architekten
C&A Celle, Architekturmodell: HGEsch
C&A Villingen-Schwenningen: Axel Hartmann Fotografie
C&A Nürnberg: Axel Hartmann Fotografie
AllDent Mannheim: Axel Hartmann Fotografie
C&A Mannheim: Axel Hartmann Fotografie

Entwurf und Weiterentwicklung
C&A Hamburg: E.A. Gärtner / Neubau: Ric Stiens
C&A Celle: Ric Stiens
C&A Villingen-Schwenningen: E.A. Gärtner / Ric Stiens / Revitalisierung: Nattler Architekten
C&A Nürnberg: E.A. Gärtner / Ric Stiens / Neubau: Ric Stiens / Revitalisierung: Nattler Architekten
C&A Mannheim: E.A. Gärtner / Neubau: Ric Stiens / Revitalisierung: Nattler Architekten
C&A Mannheim: AllDent / Stadt Mannheim, Revitalisierung: Nattler Architekten